Arbeitsweise Atelier Altenkirch

Bevor ich beginne, ein Gebäude zu fotografieren, versuche ich, es räumlich, konstruktiv und funktional zu erfassen“

Der Architekt greift bei seiner Arbeit auf Architekturbilder zurück, die er in seinem Kopf erstellt und gespeichert hat. Ein großer Teil dieser Bilder entsteht durch das Betrachten von Fotos in Publikationen und nicht durch reales Architekturerleben. Die elementare Aufgabe der professionellen Architekturfotografie ist für mich daher die „objektive Architekturvermittlung“.
Es ist meine Absicht, mit Fotos meinen subjektiven Eindruck eines Gebäudes so sachlich wie möglich zu dokumentieren. Die Interpretation von Architektur geschieht unbewußt und nicht durch den gezielten Einsatz von Gestaltungsmitteln mit dem Zweck zu überzeichnen oder zu verfremden. Hin und wieder inspiriert die Architektur zu „freien“ Aufnahmen, bei denen der Informationsgehalt vom ästhetischen Gehalt verdrängt wird.
Der höchste Grad an neutraler Dokumentation ist dagegen bei Aufnahmen für restauratorische Zwecke zu erreichen, wenn kein „schönes Bild“, sondern z.B. eine exakte Wiedergabe von Putzflächen gefragt ist. Die professionelle Architekturfotografie läßt aufgrund der hohen technischen Ansprüche und der darausfolgenden umfangreichen und schwerfälligen Ausrüstung sehr wenig Spontanität zu. Die Aufnahmen müssen weitgehend vorgedacht und vorgeplant sein. Andererseits entstehen die besten Aufnahmen oft gerade dann, wenn der Architekturfotograf spontan auf eine unvorhergesehene Veränderung äußerer Einflüsse reagiert. Bevor ich beginne, ein Gebäude zu fotografieren, versuche ich, es räumlich, konstruktiv und funktional zu erfassen. Hierbei ist mir der Architekt behilflich, wenn er bei einem gemeinsamen Rundgang sein Werk erläutert. Nebenbei knipse ich aus der Hand eine große Zahl von Fotos ohne Rücksicht auf stürzende Linien oder ungeeignetes Licht.Diese Aufnahmen sind eine wichtige Arbeitsgrundlage für mich. Sie ermöglichen mir, Standpunkte, Blickwinkel, Ausschnitte und geeigneten Lichtsituationen im Voraus weitgehend festzulegen. Einige haben nur die Aufgabe, dem Auftraggeber zu verdeutlichen, die dass ein gewünschtes Motiv nicht lohnenswert ist.
Eine Auswahl dieser „spontan“ entstandenen Knipsbilder versuche ich dann gezielt, unter Berücksichtigung der vielen äußeren Einflüsse, in ein gutes Architekturfoto umzusetzen.
Den täglichen Kampf, den ich dabei führe, beschreibt sehr schön das folgende Zitat des Architekturfotografen Werner Mantz (nach Hans Georg Puttnies in: Exhibitions, Katalog zum Arler Sommer, Arles 1981): „Ich befand mich damals noch mitten in der Architekturfotografie und ließ die Sonne für mich arbeiten; das heißt, dass ich manchmal sehr schnell laufen mußte, um bereit zu sein, wenn die Sonne so freundlich sein wollte, das entsprechende Gebäude gerade von der Seite zu bescheinen, von der ich ein Foto machen wollte. So konnte es auch passieren, dass sie gerade im letzten Augenblick entschwand, gerade als ich die Scheibe aus der Kassette zog, um dann für immer fortzubleiben. Dann war vielleicht die ganze Reise umsonst gemacht und alle Mühe vergebens, und dann rief auch ich, so wie Lemaire: Welch ein Beruf, welch ein Beruf!

Dirk Altenkirch